WebordnerUnterwegs in der Frontenhausener Geschichte

Unterwegs in der Frontenhausener Geschichte

Teilnehmer der WanderungBestes Wanderwetter herrschte am vergangenen Samstag-nachmittag, als sich eine große Schar mit dem Kreisarchäologen Dr. Ludwig Kreiner auf einen längeren Spaziergang mit archäologischen Zielen begab. Es war die zweite gemeinsame Veranstaltung von VHS und Kreisarchäologie.

Der Weg führte vorbei an der Pfarrkirche und am Sebastiani-kirchlein in Richtung Loitersdorf.

 

Dort befindet sich noch heute eine Furt, die wohl bereits Hunderte von Jahren existiert. Nach Meinung des Archäologen ist dieser alte Flussübergang eines ehemals wohl sehr wichtigen Straßenzuges auch der Grund, weshalb hier auf einem künstlichen Hügel eine Burg errichtet worden war.

Hier auf einer Insel zwischen zwei Vilsläufen ist ein noch gut erhaltener Hügel in Form eines „Guglhupf“ deutlich zu erkennen. Heute ist er mit Eichen bestanden. Einst stand hier, umgeben von einem Wassergraben, vor etwa 800 Jahren ein hölzerner Turm. Der Archäologe erzählte, dass dieser Typ von Burgen im Vilstal sehr verbreitet war; die nächsten seien in Marklkofen und Mettenhausen sowie in Gerzen und Geisenhausen.

Ausschnitt des Teppichs von Bayeux mit Darstellung eines belagerten TurmhügelsWie auf dem Teppich von Bayeux, dort ist die Schlacht bei Hastings von 1066 dargestellt, zu sehen ist, gab es diese künstlich aufgeschütteten Hügeln mit Holztürmen in der Normandie bereits im 11. Jahrhundert. Es dauerte wohl einhundert bis zweihundert Jahre, bis sich dieser frühe Burgtyp auch bei uns durchsetzte.

Weiter ging die Wanderung durch die herrliche Winterlandschaft an der Vils hinüber in Richtung Birnbachtal, wo am Parkplatz des Trimmpfades die Gruppe einen steilen Anstieg hinauf zur sogenannten Römerschanze bewältigen musste. Diese gewaltige Burganlage ist nicht von den Römern erbaut worden, sondern war als Schutz vor 900 anstürmenden Reitervölkern aus Ungarn geplant. Der Auftraggeber war sicher der Graf von Frontenhausen, der auch die Möglichkeiten hatte, Planung und Logistik eines derartigen Vorhabens durchzuführen. Eine ähnliche Anlage befindet sich bei Tunzenberg, wo ebenfalls ein sehr altes Adelsgeschlecht nachgewiesen ist.

Vermessungsplan der ungarnzeitlichen Schanze von Frontenhausen-HaagDie Schanze in Frontenhausen, gegenüber des Hofes Haag, ist bereits mit einer Vorburg versehen, wie man sie aus dem hohen Mittelalter kennt. Es ist enorm, welche Arbeitsleistung hinter diesem Bauwerk steckt und wie gut man die Geländesituation ausgenützt hat. Nach einer kurzen Strecke entlang des Waldrandes hatte man noch einen schönen Ausblick auf das Vilstal, ehe der Weg über die Neubausiedlung wieder zurück zum Markt führte. Gut zwei Stunden dauerte die Wanderung, die durch eine herrliche Winterlandschaft voller Historie geführt hatte.

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